Am 22.9.1990 wurde das Werk Eidelstedt in Betrieb genommen. Es war das erste Werk für die neuen ICE-Triebzüge. Zur Eröffnung arbeiteten über 700 Mitarbeiter dort, über die Hälfte war Reinigungspersonal. Mittlerweile sind im Werk Eidelstedt etwa 1.300 Mitarbeiter beschäftigt und es ist das Leitwerk des ICE 4. Der ICE TD wurde hier auch beheimatet, bis er letztendlich außer Dienst gestellt wurde. In Langenfelde ging 2006 eine weitere Anlage in Betrieb, hier befindet sich eine Außenreinigungsanlage sowie eine Innenreinigungsanlage mit knapp 390 Metern. Beide Werke werden die nächsten Jahre mit einem hohen Investitionsvolumen um- und ausgebaut.
Die Halle des Betriebswerks Hamburg-Eidelstedt ist komplett wärmegedämmt und besitzt zwei höhere Hallenteile, die für die 2 t-Laufkräne in 8 m Höhe über der Schienenoberkante über den Triebköpfen platziert werden können. Mit diesen Kränen ist es möglich, Komponenten aus dem Maschinenraum des Triebkopfes vom ICE auszutauschen.
Das Betriebswerk verfügt über drei Arbeitsebenen:
- 2,40 m unter der Schienenoberkante: Hier werden die Arbeiten an Drehgestellen, Radsätzen, Bremsen und am Wagenboden durchgeführt. Zudem werden hier auch die Toiletten mit einem speziellen Sauger entleert.
- 1,20 m über der Schienenoberkante wird der Zug ent- und versorgt (z. B. Handtücher, Catering, etc.). Auch die Fenster und Innenräume sind über dieser Ebene zugänglich (sog. Pilzbühne).
- 3,80 m über der Schienenoberkante: Hier befenden sich die mobilen Arbeitsstände und die fest montierten Bühnen. Von hier aus können Reparaturen im oberen Fahrzeugbereich und in den Maschinenräumen (z. B. am Stromabnehmer) durchgeführt werden (sog. TK-Dachaufstieg). Natürlich ist dieser Aufstieg durch ein sicheres Schlüsselsystem gesichert. Erst bei geerdeter Oberleitung ist ein Zugang möglich.
Zudem besitzt dieses Werk eine kurze Halle mit einer Unterflurdrehbank. Mit einer Unterflurdrehbank können Flachstellen und Unebenheiten aus den Radsätzen entfernt werden.
Wichtig ist zudem die Radsatz- und Laufflächendiagnose (ULM), die sich zwischen den Abstellgleisen und der ICE-Halle befindet. Die ULM besteht aus drei verschiedenen Bereichen. Zum einen werden die Radsatz-Laufflächen mittels Ultraschall auf Risse überprüft. Im zweiten Durchgang wird das Radsatzprofil mit einem Lichtschnittverfahren ausgemessen, damit die Abnutzung der Radsätze gut erkannt und die Räder gegebenenfalls ausgetauscht werden können. Und im dritten Teil wird mit Hilfe von Messbalken die Unrundheit und Ortung von Flachstellen an den Radsätzen gemessen.
In Nord-Ost-Richtung befindet sich ein Verwaltungs- und Versorgungstrakt. Hier befinden sich das Materiallager, Heizwerk, die Rechenzentrale, verschiedene Einzelwerkstätten, eine einzelne Triebdrehgestellwerkstatt sowie Wasch- und Umkleideräume. Zur Reinigung der ICEs wurde eine 212 Meter lange Außenreinigungsanlage erbaut. Ein ICE durchläuft hier die verschiedensten Waschprogramme, ähnlich wie in einer Autowaschanlage. Dabei wurde auf eine Oberleitung in der Waschanlage verzichtet, weil das Dach der Hochgeschwindigkeitszüge auch gereinigt werden muss. Die ICEs werden in der Regel direkt nach einem Einsatz in die Waschanlage gefahren, weil sie noch „betriebswarm“ sind. Dabei schiebt bzw. zieht ein Triebkopf den gesamten Zug durch die Anlage. Die Klimaanlage sowie die Zugsammelschiene sind bei einem Waschgang abgeschaltet. Damit keine Reinigungsflüssigkeiten in die Kühl- und Lüfterschächte gelangen, werden bei einem Waschgang diese Öffnungen mit entsprechenden Schiebern angesteuert und der Luftstrom wird somit abgeriegelt.
Die Besonderheit des Betriebswerks ist das elektronische Stellwerk. Von hier aus werden auch die Weichen- und Signalanlagen des Güterbahnhofs Hamburg-Eidelstedt gesteuert. Auffällig ist die außergewöhnliche Architektur. Alle 8 Tore sind in einem rosa Farbton umrandet. Das Betriebswerk selbst wurde in verschiedenen Grautönen gestrichen. Somit hebt sich dieses Werk deutlich von anderen Standard-Werken ab.